Review YN622 für NikonPosted on Tumblr: Link to TumblrWed, 29 May 2013 02:44:00

Die Yongnuo YN622 TTL-Funkauslöser für Nikon sind endlich erhältlich. Um zu sehen, ob sie das leisten was die Teile versprechen habe ich sie selbst auf den Prüfstand gelegt.

Die Yongnuo YN622 TTL-Funkauslöser für Nikon sind endlich erhältlich. Um zu sehen, ob sie das leisten was die Teile versprechen habe ich sie selbst auf den Prüfstand gelegt.

Update 31.05.2013: Steuerung über einen Master
Overview

Endlich….Vor zwei Wochen hat Yongnuo seinen neuen i-TTL Funkauslöser für Nikon released! Ich habe ihn sofort in UK bestellt und nach wenigen Tagen war er bei mir.

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Link zum Hersteller

Die Canon Variante (YN622C) ist schon eine ganze Weile auf dem Markt. Für Nikon gab es bisher nur wesentlich teurere bzw. funktionell abgespeckte i-TTL Funkauslöser. Ich möchte gerne meine ersten Erfahrungen mit meinem neuen Gadget mit euch teilen. Soviel vorab - für ca. 40€/Stück sind das wirklich super Teile!

Motivation:

Wer entfesselt Blitzen möchte hat folgende Möglichkeiten einen oder mehrere Blitz(e) Remote auszulösen:

Warum habe ich mich für die YN622N in Kombination von Kompaktblitzen entschieden?

Bei meinen bisherigen Shootings, habe ich immer dann wenn nötig, mit manuellen Blitzen und einfachen non-TTL Funkauslösern gearbeitet (auch von der Marke Yongnuo). Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen die mich stören bzw. mir die Arbeit erschweren.

  1. Optische Auslösung (Fotozelle): Funktioniert nicht bei Sonnenlicht oder wenn die Kamera sich vor dem auszulösenden Blitz befindet.
  2. Nikon CLS System: Regelung der Blitzgruppen nur umständlich über das Kameramenü erreichbar. Zudem greift auch hier Punkt 1, weil das System nur über optische Auslösung des Aufklappblitz funktioniert.
  3. Manuelle Funkauslöser: löste nicht immer zuverlässig aus. Die Blitzleistung kann nur direkt am Blitzgehäuse eingestellt werden. Sehr nervig wenn der Blitz weit oben oder an schwer zugänglichen Stellen positioniert ist. Ein i-TTL Signal kann nicht übertragen werden. In Situationen wenn es schnell gehen muss, oder viel Bewegung in der Szene ist, kann einem i-TTL schon unter die Arme greifen. Die Blitzsynchronzeit ist auf 1/200sec beschränkt und damit auch die kreativen Möglichkeiten.
  4. TTL-Kabel: unflexibel (nur halb entfesselt ;) )

Die Antwort ist also einfach: Ich möchte mobil, flexibel und schnell arbeiten. Und wenn irgendwie möglich dafür kein Vermögen ausgeben.

Unpacking

Die YN622N werden ohne viel Zubehör geliefert. Nur der Auslöser selbst und eine englische Bedienungsanleitung, die für mich nicht gerade selbsterklärend war, sind enthalten. Die Auslöser werden mit herkömmlichen AA-Akkus versorgt. Die Dimension ist durch die Größe von 5x9cm und dem Gewicht aufgrund der “großen” Akkus etwas wuchtiger als die kleinen manuellen Funkauslöser von Yongnuo oder anderer Hersteller. Durch die Klavierlack Oberfläche und dem dezent gehaltenen schwarzem Gehäuse, sieht das Gerät dennoch wertig auf der Kamera aus. Der erste Eindruck hat mich jedenfalls überzeugt.

Enabling

Die Akkus werden auf einer Seite mit dem positiven Pol an der Spannfeder angelegt, was ich für etwas ungewöhnlich empfand. Bei einem meiner vier Empfänger hat sich beim drehen der Akkus das Gerät immer mal wieder ausgeschaltet (diesem Problem muss ich noch auf den Grund gehen). Nachdem das Gerät durch einen mechanischen Schalter rechts unten eingeschaltet werden kann, leuchtet eine Bereitschafts LED sowie die LEDs die den Kanal und die Gruppe auf die der Empfänger eingestellt ist signalisieren. Theoretisch kann man mit den Werkseinstellungen direkt loslegen und entfesselt das i-TTL Signal an einen kompatiblen Blitz übertragen. Gesagt getan und siehe da - Alles funktioniert so als wäre der Blitz (Nikon SB910) direkt auf der Kamera (Nikon D700) aufgesteckt. Dabei muss nicht zwischen Sender und Empfänger unterschieden werden. Die Belichtung war in allen Tests überzeugend. Egal ob ich Kamera oder Blitz in der Entfernung geändert hab, die Lichtstärke hat i-TTL “korrekt” nachjustiert.

Wem das genügt, kann sogar auf den Blick in die Bedienungsanleitung verzichten.

Customizing

Wer jedoch mehr aus den Funkauslösern herausholen möchte sollte etwas Zeit, Experimentierfreudigkeit und Deutungsgabe mitbringen oder einfach meinen Bericht weiterlesen.

 Jede Einheit kann auf einem von sieben Funkkanälen senden.
Dieses Feature bringt erst Vorteile wenn mehrere Fotografen gleichzeitig auf dem selben Kanal i-TTL Signale übertragen möchten. Kommt es zu Fehlauslösungen auf Messen, Workshops etc., kann man sich untereinander abstimmen und den Kanal über die linke Taste CH ändern.

Mehrere Kanäle von einem Sender auszulösen funktioniert leider nicht auch wenn hier die Kanal LEDs etwas anderes vermuten lassen. Im Grunde handelt es sich um eine Art Binäranzeige. Leuchten zum Beispiel CH1 und CH2 gleichzeitig auf, sendet man auf Kanal 4 und nicht auf Kanal 1 und 2 gleichzeitig.

Jetzt kommen wir aber zu meinem eigentlichen Kaufgrund.

Mehrere Blitze steuern

Mehrere Blitze können getrennt voneinander gesteuert und ausgelöst werden - wie geil ist das!? Die Steuerung erfolgt direkt am Sender. Hierzu kann ich jeden Empfänger eine der Gruppen A, B ode C zuweisen.
Dies geht über die GP/Mode Taste auf der rechten Seite.
In meinen Tests habe ich Blitz1:GruppeA und Blitz2:GruppeB zugewiesen. Am Sender kann ich dann ebenfalls auswählen welche Gruppen ich alleine oder in Kombination auslösen möchte. Nach mehrfachem betätigen der GP/MODE Taste am Sender sollte nun Gruppe A und Gruppe B aufleuchten. Auch das hat funktioniert - beide Blitze lösen aus. Wie kann ich nun aber die Blitze getrennt voneinander regulieren. Hierzu sollte man zuerst durch halb durchgedrückte Auslösertaste an der Kamera die Funkempfänger in Kommunikationsbereitschaft bringen. Die Blitze sind auf TTL Modus einzustellen. Anschließend kann durch gehaltene CH/AF-+ bzw. Test/- Taste die Blitzgruppe reguliert werden. Hierbei handelt es sich zunächst um eine i-TTL Korrektur. Aber es kommt noch besser. Die Blitze können auch komplett manuell und getrennt voneinander, zentral an der Kamera (Sender) gesteuert und eingestellt werden. Hierzu betätigt man lange die GB/MODE Taste, bis die Bereitschaftsleuchte dreimal orange leuchtet. Und schon ist man im manuellen Modus und kann die Geräte nun völlig kreativ fernsteuern.
Eine Anzeige für die eingestelten Werte hätten diesem Gerät den letzte Schliff gegeben. Leider sucht man diese vergeblich.

Steuerung über einen Master

Wer einen Blitz (SB-700,SB-900,SB910) oder einen Master (SU-800) für die zentrale Steuerung entbehren kann, den wird die fehlende Anzeige auf dem Gerät nicht weiter stören. Mit den YN622N lässt sich die Schwachstelle des integrierten CLS-Systems umgehen. Die i-TTL Signale die eine Master-Einheit zu den Remote Blitzen sendet, können über das 2,4GHz Funkmodul der YN622N übertragen werden. Somit können die Blitze selbst über hohe Distanzen oder bei Sonnenlicht zuverlässig ausgelöst werden, ohne dabei auf den Luxus einer komfortable Steuerung an der Kamera verzichten zu müssen.

Um diese Funktion nutzen zu können muss der Master Blitz im “Master-Modus” betrieben werden, die Slave Blitze hingegen im TTL-Modus. Im Gegensatz zum Nativen CLS muss beim Einsatz der YN622N der Kippschalter des Slaves also auf ON und nicht auf Remote gestellt werden. In einem Test habe ich die Blitze wie folgt eingestellt und durch eine Firefly Softbox (über die ich bald auch berichten werde) geblitzt.

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Ergebnis: Die eingestellten TTL Werte werden an den Empfänger  übertragen und der Slaveblitz wird zuverlässig ausgelöst. Dabei sendet der Master kein optisches Signal aus (weder IR noch einen Steuerblitz). Ich konnte den Blitz selbst von einem anderen geschlossenen Raum auslösen - sehr schöne Sache!

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Im direkten Vergleich zum nativen CLS konnte ich allerdings 1/3 Blenden Abweichung feststellen. Die Abweichung ist darauf zurückführen, dass der Masteblitz im nativen CLS mitwirkt, selbst wenn er wie in der Abbildung zu sehen, nicht als aktiver TTL-Blitz eingestellt ist. Ob das nun ein Bug oder Bedienfehler ist, sei erstmal dahingestellt.

Wer sich dieser Tatsache bewusst ist, kann durch leichtes nachkorrigieren der EV natürlich die Belichtung feinjustieren. Das gelingt nämlich hervorragend mit der Master Steuereinheit.

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High-Speed

Eine weitere schöne Eigenschaft ist, dass die Blitze bis 1/8000 synchronisiert werden können. Dabei wird der Blitz zum quasi “Dauerlicht” und löst mehrfach hintereinander aus. Die max. Leitzahl, die der Blitz bietet, kann dadurch leider nicht mehr erreicht werden, aber dafür kann man unglaublich kurze Belichtungszeiten in Verbindung mit Blitzen einsetzen - GENIAL!

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Bild 1 & 2 sind im i-TTL Modus entstanden. Die Ausleuchtung ist vergleichbar und gut, die Farben haben sich allerdings geändert. 1/8000 ist aber wie man sieht möglich.

Bild 3 ist im manuellen Modus mit einem YN622N entstanden. Bild 4 hingegen mit einem gewöhnlichen Funkauslöser (YN603N) ohne High Speed Sync. Bereits bei 1/250 erscheint ein Balken durch den Verschluss im Bild, der sich zur Zeit de Blitzausleuchtung noch vor dem Sensor befindet und somit ein Teil des Bildes nicht ausgeleuchtet werden kann.

Mit dem YN622N wird das Bild immer komplett ausgeleuchtet. Man sollte allerdings beachten, dass sich die Ausleuchtung bei manueller Einstellung nicht linear zur Verschlusszeit verhält. Ich habe Sprünge von mehreren Blenden z.B im Bereich 1/320 und 1/400 festgestellt.

Auch im dunkeln sitzt der Fokus

Das Autofokus Licht tut das was es soll. Der Fokus findet sein Ziel auch im dunkeln. Mir kommt es allerdings so vor als liege das AF-Licht zu weit über dem Bildbereich. Bisher hat meine Kamera aber selbst in einem Stockdunklen Raum den Fokus gefunden. Ich werde daher das Gerät auch ohne Blitze in Zukunft öfters einsetzen.

Kompatibel mit manuellen Funkauslösern

zum Schluss habe ich meine alten manuellen Funkauslöser und manuelle Blitze rausgekramt und auf einen YN622N gesteckt! Blitzt tadelos. Natürlich ohne i-TTL ;). Selbst die Kombination aus YN622N + i-TTL Blitz und manuellem Funkauslöser(YN603N) + Blitz hat ohne Probleme funktioniert.

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Fazit

Alle Features auf einen Blick:

Kompatible Kameras (laut Hersteller): D600, D700 (getestet), D800
D70, D70s, D80, D90
D200, D300, D300s
D7000
D5000, D5100
D3000, D3100, D3200
(Die D3 und D4 Serien werden zur Zeit leider nicht unterstützt)

Kompatible Blitzgeräte (laut Hersteller): Yongnuo YN-465, YN-467, YN-468 II, YN-565, YN-568
Nikon SB-400, SB-600, SB-700, SB-800, SB-900, SB-910 (getestet)